Historie

Die Geschichte des „Rippe-Hauses“

Das Fachwerkhaus, in dem sich unser Hofrestaurant befindet, wurde im Jahre 1714 in Eitzendorf (Samtgemeinde Grafsch. Hoya) auf einem Marschbauernhof durch den Zimmermeister Wilken Rippe errichtet und hat in fast 300 Jahren eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Das Hausgerüst wurde in Dreiständer-Bauweise ausgeführt, eine seltene Konstruktion in unserem Gebiet. Die mächtigen Deckenbalken werden drei Mal gestützt: Durch die beiden Reihen der sichtbaren dicken Innenständer und durch die nördliche Außenwand. Das Gebäude wurde zunächst nicht als Wohnhaus genutzt, sondern als Durchfahrtsscheune: Vorn konnte man mit den beladenen Fuhrwerken hineinfahren, durch eine Deckenluke das Heu oder die Getreidegarben vom Wagen auf den geräumigen Dachboden befördern, und hinten wieder hinausfahren. So brauchte man die Zugtiere nicht auszuspannen.

Im Erdgeschoß befanden sich an den Seiten Ställe für Rinder und Pferde. Eine Besonderheit sind die drei Schmuckrosetten am Vordergiebel. Ihre Form entstammt der Weserrenaissance; vermutlich ist die Idee von Handwerkern, die dem Lauf des Stromes folgten, aus dem Weserbergland mitgebracht worden. In den Kopfbändern über dem Torbogen ist der Hausspruch zu lesen: „Alle die mich kennen, den gebe Got was sie mich gönnen“

Schon 1753 wird das Gebäude im Feuerversicherungsverzeichnis als Altenteiler/Häuslingshaus bezeichnet, also zu Wohnzwecken genutzt. Darauf weist auch eine (bis zum Abbau vorhandene) Scherwand zum Kammerfach hin. Nach dem verheerenden Sturm 1972 war die Scheune in einem sehr schlechten Zustand und sollte auf Abbruch verkauft werden. Mike und Klaus Voigt waren schon damals sehr an dem Haus zu Wohnzwecken interessiert, trauten sich aber letzten Endes das Projekt doch nicht zu. Ein anderer Bauherr übernahm den Abbau im Jahr 1973. Es kam aber nie zum Wiederaufbau.

Durch Zufall erfuhren Voigts 1996, dass das Hausgerüst zum Verkauf stand und griffen diesmal spontan zu. In mühevoller Kleinarbeit musste zunächst jedes Teil des eichenen Gerüstes gesäubert, restauriert und konstruktiv zugeordnet werden. Der Wiederaufbau begann dann 1998. Vorwiegend wurden historische Baustoffe verwendet, die jahrelang aus verschiedensten Abbrüchen gesammelt wurden: Findlinge für das Fundament, handgeformte Ziegel für die Ausfachung und Hohlpfannen für die Dacheindeckung, rauchgeschwärzte Eichenbohlen für die Decke, eiserne Stallfenster und alte Sandsteinplatten für den Bodenbelag. Über 800 Holznägel für den Zusammenhalt des Hausgerüstes wurden nach alter Technik in Handarbeit hergestellt.

Der Dachstuhl wurde neu aus Nadelholz gezimmert. Die kleinen Gauben waren im ursprünglichen Haus nicht vorhanden. Im Dachgeschoß befindet sich jetzt eine Wohnung für unseren Koch und seine Familie. Die Wärmeisolierung des Hauses erfolgte nach neuestem Stand der Technik mit Isofloc aus recyceltem Zeitungspapier. Die Innenwände erhielten einen Lehmputz.

Das Küchengebäude ist ein Stall aus Haendorf bei Asendorf, der wahrscheinlich um 1830 erbaut wurde. Er besteht überwiegend aus zweitverwendeten Hölzern, d. h. die Balken wurden vorher schon in anderen Gebäuden einmal benutzt.

Chronik

1714 errichtete der Zimmermeister Wilken Rippe auf dem Hof von Hermen Rippe und Anna Rasina Steencken in Eitzendorf (heute Samtgemeinde Grafschaft Hoya) eine Durchfahrtsscheune als Dreiständer-Fachwerk-Konstruktion. Im gleichen Jahr wurde Kurfürst Georg von Hannover auf den englischen Thron berufen und damit die Personalunion von England und Hannover begründet.

Ende des 19. Jahrhunderts wird das Haus ca. 200m vom Hof weg „verrollt“ (d.h. das Hausgerüst wurde auf Rundhölzer gesetzt als Ganzes verschoben) und dann als Häuslingshaus genutzt.

1972 wird duch einen Orkan das Dach beschädigt und 1973 das Haus abgebaut. Alle Balken werden sorgfältig markiert und eingelagert. Aber zunächst wird es nicht wieder aufgebaut.

1980 erwirbt Familie Voigt das heutige Küchengebäude und baut es ab.

1996 kauft Familie Voigt das Hausgerüst des Rippe-Hauses.

1997 Planung und Baugenehmigung des Wiederaufbaus auf dem Bioland-Hof Voigt in Gessel.

2001 Eröffnung des ersten Bioland-Hofrestaurants in der Region.

2003 Abbau eines denkmalgeschützten Speichers (Baujahr 1688) mit angebautem Backofen auf einer verfallenen Hofstelle in Bensen bei Sudwalde (20 km südlich von Syke).

2004-2007 Wiederaufbau des Speichers auf unserem Hof.

2006 Der Speicher wird wieder als Baudenkmal anerkannt.